Seite auswählen

Das Schneeglöckchen ist einer der ersten Frühblüher, die dem nahenden Frühling ihre Blüten entgegenstrecken. Ganz allein stehend kann man es ganz schnell einmal übersehen. Doch wachsen die unscheinbaren Pflanzen in kleinen Gruppen erinnern sie uns sofort daran, dass der frostige Winter nun bald vorbei ist. Das Schneeglöckchen gehört zu den Zeigerpflanzen des Vorfrühlings, also jenen, die wagemutig aus dem Boden hervorlugen und den Frühling ankündigen. Es entwickelt so viel Eigenwärme, dass es sogar den Schnee rings um seine schützenden Blätter zum Schmelzen bringen kann. Ihr habt das vielleicht schon einmal gesehen. Dem Schneeglöckchen sind viele Geschichten und Gedichte gewidmet und es wurde oft gemalt. Da ist es doch selbstverständlich, dass wir dem Vorboten des Frühlings einen Steckbrief widmen und ein wenig über das Schneeglöckchen erzählen.

Schneeglöckchen als Symbol in Geschichten und Kunst

Um das Schneeglöckchen ranken sich viele Geschichten. Die zarte Pflanze wird als keck, ungeduldig und stark schon bei Hans Christian Andersen beschrieben. Geweckt von einem ersten Sonnenstrahl, kann sie es kaum erwarten, endlich dem Sommer „Guten Morgen“ zu sagen. Doch die Sonne ist noch nicht stark genug, um den Schnee zu schmelzen. So strengt sich die kleine Zwiebel an, reckt sich und streckt sich und lässt den Schnee um sich schmelzen. Stolz reckt sie ihr Köpfchen und lacht der Sonne entgegen. Frau Sonne freut sich riesig über die erste und bisher einzige Pflanze und das, wo eigentlich doch noch tiefster Winter ist! Wind und Wetter sehen den Vorboten des Sommers nicht so gern und bringen noch einmal bittere Kälte über das Land. Doch das kleine Schneeglöckchen trotzte all dem und blühte munter weiter. Das Märchen ist damit noch nicht zu Ende, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

Dem Schneeglöckchen wird auch eine biblische Bedeutung zugemessen. Einer Legende nach wurde die Blume von dem Engel erschaffen, der Adam und Eva nach ihrem Sündenfall aus dem Paradies vertrieb. Es war mitten im Winter und Eva war gar nicht guter Hoffnung, dass es irgendwann wieder Sommer werden würde, obwohl der Engel es inbrünstig versprach. Kurzerhand hauchte der Engel ein paar Schneeflocken auf die Erde, die sich am Boden in kleine Schneeglöckchen verwandelten. Die Blumen stehen daher auch als Symbol der Hoffnung, sind Zeichen für Trost und Liebe.

In vielen weiteren Geschichten wie dem russischen Märchen Die zwölf Monate spielen Schneeglöckchen eine Rolle und symbolisieren immer den Frühling, den baldigen Sonnenschein und waren den Menschen ein Trost in den kalten Tagen. Auch in der Musik und der Malerei taucht der Frühblüher immer wieder auf, wird besungen und in Blumensträussen oder in der Hand einer schönen Frau dargestellt.

Schneeglöckchen Steckbrief

Das Schneeglöckchen gehört wie die wunderschöne Amaryllis zur Familie der Amaryllsgewächse (Amaryllidaceae). Sie kommt ursprünglich aus Südeuropa und verbreitete sich bis mit der Art des Kleinen Schneeglöckchens bis hinauf in den Norden. Hier ein kurzer Schneeglöckchen Steckbrief, ehe wir auf die Sorten und die Pflege der schönen Pflanze genauer eingehen.

  • Botanischer Name Galanthus nivalis
  • Familie der Amaryllisgewächse
  • mehrjährige Lebensdauer
  • Blüht weiß von Januar bis April (zwei Arten schon im Herbst)
  • Trägt kleine Kapselfrüchte
  • Gedeiht in Sonne und Schatten
  • mag humusreichen Boden, der neutral oder schwach alkalisch ist
  • vermehrt sich durch Samen oder Tochterzwiebeln
  • ist giftig und steht unter Naturschutz

Schneeglöckchen Sorten und Namen

Es gibt ca. 25 Arten des Schneeglöckchens. Durch die zunehmende Beliebtheit des Frühblühers wurden immer mehr Sorten gezüchtet, so dass deren Zahl schon fast unüberschaubar ist. Fast alle Sorten und Arten sind weissblühend, es finden sich aber auch einige Sorten, bei denen die weißen Blüten leicht gelb gesprenkelt sind. Alle Arten sind krautige Pflanzen, die Zwiebeln bilden. Die Laubblätter stehen meist zu zweit zusammen und aus ihnen streben die Blütenstängel hervor. Ein Hochblatt schützt die weiße Blüte vor strengem Frost und Schnee. Durchbricht sie die Scheide, neigt sie ihr Köpfchen. So, wie wir das zarte Schneeglöckchen eben kennen.

Blütezeit der Schneeglöckchen

Von den über 20 Arten blühen die meisten zwischen Februar und April. Einige Sorten blühen aber auch schon im Januar oder bis in den Mai hinein. Zwei Schneeglöckchen Arten blühen schon im Herbst. Das Cilicisches Schneeglöckchen erblüht von November bis Januar und das Peshmen-Schneeglöckchen im Oktober und November. Einige beliebte Arten und Sorten haben wir für euch zusammengestellt:

  • Kaspisches Schneeglöckchen (Galanthus transcaucasicius): Dezember bis April
  • Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis): Januar/Februar bis Ende März
  • Rizasee-Schneeglöckchen (Galanthus rizehensis): Januar bis Anfang April
  • Gefülltes Schneeglöckchen (Galanthus nivalis Flore Pleno): Februar bis März
  • Großblütiges Schneeglöckchen (Galanthus elwesii var elwesii): Februar bis April
  • Kaukasus- Schneeglöckchen (Galanthus alpinus): Februar bis Mai
  • Zierliches Schneeglöckchen (Galanthus grazilis): Februar bis Mai

Eine besondere Rarität ist die Sorte Titania mit ihrer gefüllten Blütenkrone. Andere gefüllte Sorten sind Flore Pleno und Hippolyta. Die Mrs. Thompson hat statt der üblichen drei Blütenblätter fünf und manchmal sitzen an einem Blütenstiel zwei Blüten. Eine begehrte Sorte, vor allem in England, ist die Spindlestone Surprise mit ihrem gelben Fruchtknoten. Besonders hoch wird die Maximus.

Namensentstehung und weitere Namen

Das Schneeglöckchen (engl. Snowdrop) hat viele Namen. Der botanische Name Galanthus setzt sich aus den beiden griechischen Worten gála für Milch und ánthos für Blüte zusammen. Der deutsche Name ist entstanden, weil das kleine Glöckchen schon, wenn noch Schnee liegt, aus der Erde herausschaut und blüht. Weitere Namen sind Frühlingsglöckchen, Märzglöckchen (nicht verwechseln mit dem Märzenbecher), hübsches Februar-Mädchen, Weiße Jungfrau, Schneetulpe, Milchblume, Weißglatze, Lichtmess-Glöckchen oder Märzveilchen. Fantasievolle Namen, die zumeist die Jahreszeit oder die Farbe der Blüten in sich tragen, aber auch Weiße Jungfrau und Lichtmess-Glöckchen weisen auf die Blütezeit des Schneeglöckchens hin. Die christliche Fest Maria Lichtmess ist immer 40 Tage nach Weihnachten, also am 2. Februar. Zu genau dieser Zeit blüht auch das Schneeglöckchen. Warum immer 40 Tage nach Weihnachten? Weil sich zu dieser Zeit die Jungfrau Maria in den Tempel nach Jerusalem begab, um sich zu reinigen. So erklärt sich der Name Weiße Jungfrau.

Pflege der Schneeglöckchen

Normalerweise breitet sich das Schneeglöckchen geschwind selbst aus, sobald man es gepflanzt hat. Die Pflanze ist nicht nur robust gegen Kälte, Wind und Schnee, sondern benötigt gar nicht unbedingt besonders viel Pflege. Doch ein paar Worte müssen wir euch doch mit auf den Weg geben, denn mancher Fehler fängt schon beim Schneeglöclchen kaufen an. Worauf ihr beim Boden, den Zwiebeln und der Pflanzzeit achten solltet, haben wir für euch zusammengefasst.

Standort und Boden

In der Natur finden wir Schneeglöckchen meist an Weges- und Waldrändern, aber auch auf Wiesen und Auen. Eines haben die Standorte immer gemeinsam: es ist schön feucht und licht. Daher solltet ihr für eure Schneeglöckchen im Garten nach einem ähnlichen Standort suchen. Die Pflanze verträgt auch Sonne (die früh blühenden Sorten lieben Sonne), aber die eher spät blühenden Arten mögen absonnige oder schattige Plätze lieber. Das Erdreich sollte humusreich und schön frisch und locker sein, damit die kleine Pflanze auch gut durchbrechen kann. Sie stehen gern unter laubabwerfenden Bäumen, durch die die Wintersonne luftig durchdringen kann. Zwischen Sträuchern fühlen sie sich wohl und sehen so auch am schönsten aus.

Schneeglöckchen, so schön sie auch sind, die ihr an Wegesrändern oder auf Wiesen findet, dürft ihr NICHT pflücken! Die Pflanze steht unter Naturschutz.

Schneeglöckchen pflanzen

Viele stecken die kleinen Blumenzwiebeln der Frühblüher recht spät im Herbst (meist Oktober) in die Erde. Das ist aber gar nicht die beste Zeit, um das Schneeglöckchen zu pflanzen. Der perfekte Zeitpunkt ist der August, spätestens der September, um die Zwiebeln in die Erde zu bringen. Setzt die Zwiebeln in kleinen Gruppen, so sehen die weißen Glöckchen einfach schöner aus. Wichtig für die Blütenpracht im späten Winter ist neben dem geeigneten Standort und dem richtigen Zeitpunkt der Pflanzung, vor allem die Qualität der Blumenzwiebeln. Sie sind sehr empfindlich und trocknen schnell aus. Achtet also darauf, dass die Zwiebeln schön prall sind, nicht schrumpelig aussehen oder gar Schimmel angesetzt haben. Auch eine unversehrte Zwiebelhaut ist ein Anzeichen für eine gute Qualität.

Schneeglöckchen kaufen

Ihr bekommt die Schneeglöckchenzwiebeln ganz billig in Baumärkten und Discountern angeboten. In Hunderten in den Packungen ist oft gar nicht genau das drin, was ihr euch erhofft! Achtet genau auf den botanischen Namen, der auf der Packung steht (meist ganz klein). Ihr erwartet vielleicht das bei uns heimische Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), bekommt aber sehr häufig die günstigen Galanthus elwesii oder Galanthus woronowii aus der Türkei und aus Georgien. Kauft also lieber beim Spezialhändler bzw. im Fachhandel, wenn ihr wenigstens halbwegs sicher sein wollt, was für eine Sorte euch im Frühjahr die Köpfe entgegenstreckt. Dort werden sie auch fachgerechter gelagert und können ganz frisch in die Erde. Pflanzt die Blumenzwiebeln sofort nach dem Kauf aus, da sie sonst austrocknen und ihr die hohen Verluste im Frühling sehen werdet.

Echte Kenner kaufen ihre Schneeglöckchen im Übrigen nicht als Blumenzwiebeln, sondern als Pflanze. Nur so kann man genau sehen, wie sie aussieht und im nächsten Jahr auch wieder aussehen wird. In England ist der Hype um die weißen Frühblüher ganz besonders ausgeprägt. In großen Ausstellungen werden die Pflanzen versteigert und können so schon einmal einen Preis im dreistelligen Bereich erlangen. Sogar Schneeglöckchensafaris finden statt, bei denen man Schneeglöckchen-Gärten besichtigt. Diese extremen Liebhaber, die der Snodropmania oder auch Galanthomanie verfallen sind, nennt man Galantophile. Wahnsinn, was es alles gibt, oder?

Düngen und Gießen

Gießen müsst ihr die Schneeglöckchen eigentlich nicht. Sie ziehen sich das benötigte Wasser aus ihrer Umgebung, welche ihr ja fleißig bewässert. Zum Düngen gibt es zwei unterschiedliche Standpunkte. Die einen meinen, man solle auf das Düngen komplett verzichten, da dann die Kraft nur in die Stängel und das Blattwerk geht; die anderen behaupten, etwas Kompost im Herbst nährt die Zwiebel und kann nicht schaden. Direkt düngen würden wir die Plätze, an denen die Zwiebeln stecken nicht. Oft sitzen sie ja im Rasen, den ihr sowieso schon düngt.

Tipp: Brecht die abgeblühten Fruchtstände ab, so kräftigt ihr die Zwiebel.

Vermehrung des Schneeglöckchens

Die natürliche Vermehrung geschieht durch Ameisen. Sie verteilen den Samen und das Fruchtfleisch der Saatkapseln dadurch, dass sie sie fressen und wieder ausscheiden. Deswegen findet ihr eure Glöckchen im Frühjahr an den unmöglichsten Stellen wieder. Außerdem bilden die Pflanzen Tochterzwiebeln bzw. Brutzwiebeln aus. Eine künstliche Methode ist das Twin Scaling. Hierbei wird die Zwiebel bis zum Zwiebelboden mit vielen kleinen Schnitten versehen, die die Ausbildung von Tochterzwiebeln befördern sollen. Dabei ist aber äußerste Vorsicht und Sachkenntnis vonnöten, um einen Erfolg zu haben.

Schädlinge und Krankheiten

Der größte Feind des Schneeglöckchens ist der Grauschimmel. Wir meinen natürlich nicht das Pferd, sondern den Schimmelpilz Botrytis galanthina. Sind eure Pflanzen davon befallen, dann holt euch Rat von einem Fachmann, der das richtige Mittel zum Spritzen empfehlen kann. Auch die Narzissenfliege kann eure Schneeglöckchen eliminieren. Manchmal werden sie auch von Schnecken befallen. Ein großer Feind sind Wühlmäuse, die gern an den Blumenzwiebeln knabbern. Vor allem im Winter, wenn es sonst nicht viel Nahrung gibt, sind sie eine große Gefahr. Wie ihr die Wühlmäuse vertreiben könnt, lest ihr in unserem Beitrag zu den Wühlmäusen.

Das Schneeglöckchen als Topfpflanze

Beliebt sind die früh blühenden Pflanzen in Töpfen, Kübeln und Pflanzschalen vor allem auf dem Balkon und der Terrasse. Ihr müsst die Erde feucht halten, wenn ihr euch lange an den Blüten erfreuen wollt und die Töpfe vor Frost schützen. Im Freien solltet ihr die Schneeglöckchen nicht umpflanzen, in den Töpfen aber schon. Alle 2 bis 3 Jahre sollte ein neuer Topf und frische Erde her.

Wollt ihr die Frühblüher im Zimmer als Zierde haben, dann pflückt sie nicht und stellt sie in die Vase. Sie halten sich nicht lange und es wäre wirklich schade drum. Ihr könnt die Pflanzen für die Zimmerkultur vortreiben. Grabt dazu im Dezember einen Horst aus und setzt ihn in einen Topf. Diesen lasst ihr erst im Freien stehen, dann in einem kühlen Zimmer und nach 14 Tagen erst kommt er in ein beheiztes Zimmer. Noch einmal 14 Tage warten und die ersten Blüten werden sich zeigen. Ihr könnt die Topfpflanzen dann auch wieder im Garten auspflanzen.

Passende Pflanzpartner für das Schneeglöckchen

Schneeglöckchen lassen sich wunderbar in schönen Arrangements mit anderen Frühblühern und Winterblühern pflanzen. Zusammen mit Krokus, Blaustern, dem Winterling, Christrose oder Lenzrose und dem Winter-Alpenveilchen bilden sie wunderschöne farbige Inseln. Auch frühblühende Narzissen-Sorten wie die Rijnveld’s Early Sensation füllt die bunten Flecken prachtvoll auf. Richtig schön sehen die Schneeglöckchen in immergrünen Bodendeckern, wie zum Beispiel  Efeu, aus.

Tipp: Pflanzt die Glöckchen nur im Rasen, wenn ihr geduldig mit dem ersten Rasenschnitt im Frühjahr seid. Erst wenn die Schneeglöckchen alle Blätter eingezogen haben, könnt ihr den Rasen mähen, wenn ihr auch im nächsten Jahr wieder die volle Blütenpracht haben wollt.

Das Schneeglöckchen als Heilpflanze

Alle Pflanzenteile des Schneeglöckchens und besonders die Zwiebel sind giftig. In der Zwiebel ist das Alkaloid Amaryllidaceae enthalten. Deswegen führt der Verzehr zu Vergiftungserscheinungen. Anzeichen für eine Vergiftung sind Erbrechen, Übelkeit und Durchfall. Auch Schweissausbrüche, Benommenheit und Kreislaufstörungen können vorkommen. Für Haustiere wie Katzen, Hunde, Kaninchen und Co. sind die Schneeglöckchen ebenso gefährlich. Sie bekommen die gleichen Beschwerden wie wir Menschen bei einer schon sehr kleinen Dosis der Giftstoffe.

Trotzdem ist die Pflanze ein Heilmittel mit viel Potential. Die Stoffe Galantamin und Lycorin, natürlich fachgerecht aufbereitet, werden als Heilmittel gegen Demenz und die Alzheimer-Krankheit genutzt.

Das Schneeglöckchen – Steckbrief des geschützten Frühblühers
5 (100%) 4 votes