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Vielleicht fragt ihr euch, wie wir auf den Titel dieses Beitrages gekommen sind. Karneval ist Blumenzeit? Ok, es werden Blumen geworfen und manches Tanzmariechen schwenkt eine Blume, aber sonst? Moment, warum heißt der Rosenmontag eigentlich Rosenmontag? Seht ihr, jetzt kommen wir der Sache mit den Blumen und dem Karneval schon etwas näher. Die Tage zwischen Weiberfastnacht oder Fettdonnerstag und Aschermittwoch sind nämlich fast alle mit Blumennamen tituliert. Nicht nur der Rosenmontag ist ein Tag im Karneval, sondern auch der Nelkensamstag, der Tulpensonntag und der Veilchendienstag. Wir versuchen, der Spur der Blumen in der Faschingszeit zu folgen und mehr herauszufinden. Kommt doch einfach mit!

Der Höhepunkt des Karnevals – die Fastnachtswoche

Der Karneval ist die Zeit der Fröhlichkeit und Ausgelassenheit vor  dem Beginn der Fastenzeit vor Ostern. Hierzulande beginnt er schon am 11. November genau um 11 Uhr 11. Die richtig närrischen Tage sind dann aber in der sogenannten Fastnachtswoche vom Weiberfasching bis zum Veilchendienstag oder Faschingsdienstag. Am Aschermittwoch dann ist alles vorbei. Der Karneval hat viele Namen. Je nach Region wird er Fasching, Fastnacht, Fasnet, Fassenacht oder auch Fasselove genannt. Die Bedeutung hinter den verschiedenen Namen ist aber immer gleich. Karneval kommt sprachlich von Carne Levare, was soviel bedeutet wie Fleisch entfernen. Und genau darauf bereiten wir uns mit viel Völlerei, fettigem Gebäck, unter Umständen auch Alkohol und heiterer Ausgelassenheit vor. Wir schlagen vor dem Fasten noch einmal über die Stränge!

Weiberfastnacht

Die Weiberfastnacht, unter anderem auch Altweiberfasching oder Weiberdonnerstag, läutet die Zeit des Straßenkarnevals ein. Vor allem die Frauen stürmen an diesem Tag die Bars und Kneipen und feiern ausgiebig. Nicht einmal Wäsche wird an diesem Tag gewaschen! Im Rheinland ist die Weiberfastnacht sogar ein inoffizieller Feiertag und es wird oft schon ab mittags nicht mehr gearbeitet. Wieso keine Wäsche waschen? Hier liegt der Ursprung der modernen Weiberfastnacht, mitten in Bonn, im Stadtteil Beuel. Hier wuschen die Frauen jeden Tag bis zu 16 Stunden lang die Wäsche und die Männer brachten diese nach Köln. Dort feierten sie dann gern ausgiebig, vor allem zu Zeiten des Karnevals. Als es nun wieder einmal so weit war, streikten die Frauen an einem Donnerstag und gingen am Abend statt noch weiter die Wäsche zu machen, damit die Herren sie nach Köln bringen konnten, in eine Kneipe. Dies taten sie fortan jeden Donnerstag vor dem Straßenkarneval, um ihren Protest zu zeigen.

Ein besonderer Brauch ist es, dass die Frauen den Herren die Krawatten abschneiden. Stimmen diese dem zu, bekommen sie ein Küsschen, Bützchen auf Kölsch. Den Stumpf der Krawatte dürfen die Herren dann den ganzen Tag nicht ablegen. Das Abschneiden der Krawatten hängt eng mit dem bekannten Stürmen der Rathäuser um 11:11 Uhr zusammen. Schlüssel und Amtskette des Bürgermeisters werden von den Narren übernommen und sie übernehmen die Macht in der Stadt. Die Schlipsträger haben nichts mehr zu sagen, die Krawatten kommen ab! Im übrigen Arbeitsalltag werden die Krawatten abgeschnitten, um die Rangunterschiede aufzuheben, zum Beispiel zwischen Chef und Sekretärin.

Die ersten Frauen, die den Weiberdonnerstag zu Beginn der Hochzeit des Karnevals genossen, waren im Übrigen Nonnen, die es sich in den Klöstern an diesem Tag einmal gut gehen ließen und alles genossen, was sonst verboten war.

Rußiger Freitag

Der Rußige Freitag hat noch keinen bekannten Blumennamen bekommen. Er ist als Faschingsfreitag oder Fastnachtsfreitag geläufiger, wenn er überhaupt besonders erwähnt wird. Der Name Rußiger Freitag entstammt einer alten Tradition aus dem schwäbisch-alemannischen Raum. Hier versuchten die Narren am Freitag in der Fastnachtszeit anderen Leuten das Gesicht mit Ruß zu schwärzen. In einigen Regionen wie dem Voralberg und Oberschwaben nennt man den Tag auch Bromiger Freitag. Die Jungen schmierten den Mädchen Brombeeren oder Brombeermarmelade ins Gesicht. Diese Tradition soll wohl als Symbol für die Befleckung dienen.

FaschingskrapfenNelkensamstag

Der Nelkensamstag wird geläufiger als Schmalziger Samstag bezeichnet. An diesem Tag verspeist man viel fettiges und süßes Gebäck, da Eier und Milchprodukte aufgebraucht werden mussten, denn auch diese waren ursprünglich in der Fastenzeit verboten. Traditionell backen die Frauen an diesem Tag viele Krapfen und Schmalznudeln. Jene, die am rußigen Freitag geschwärzt wurden, waren besonders verpflichtet, am nächsten Tag Schmalzgebäck zu bringen. Übrigens legte man sich die Fastenzeit nicht einfach nur so auf, vielmehr hängt der Verzicht mit dem natürlichen Fortpflanzungsrhythmus der Tiere zusammen. Diese werden bis Ostern geschont, damit sie Junge zur Welt bringen können und die Nahrung für den Rest des Jahres gesichert ist.

Der Begriff Nelkensamstag wurde in Anlehnung an die anderen blumigen Tage in der närrischen Zeit geprägt.

Tulpensonntag

Eigentlich hieß wohl der Sonntag Rosensonntag, denn an ihm fanden die traditionellen Umzüge statt. Irgendwann verlagerte sich die Zeit für die großen Umzüge auf den Montag. Dieser schleppte den Namen der Rose mit und wurde fortan Rosenmontag genannt. Besonders der Kölner Karneval ist für diese Verschiebung verantwortlich. Warum der Sonntag in der Karnevalszeit überhaupt Rosensonntag genannt wurde, ist nicht geklärt. Traditionell wurden bei den Umzügen immer sehr viele Blumen, die Strüßche, geworfen und auch heute noch fliegen viele Rosen, die natürlich nicht von heimischen Plantagen stammen. IN manchen Gegenden wird der Tulpensonntag auch Orchideensonntag genannt. Am Tulpensonntag finden in vielen Städten die großen Faschingsumzüge statt. Nicht überall wird die Jeckenzeit so extrem gefeiert wie in Köln und Urlaub gewährt, so dass der Sonntag ein guter Ausweichtermin geworden ist.

Rosenmontag

Wie beim Tulpensonntag schon erwähnt, wurde die Bezeichnung vom ursprünglichen Rosensonntag auf den Montag übertragen und dieser zentrale Tag bestimmt wohl auch die Bezeichnungen des Sonntags und des Samstags davor. Irgendwer, man weiß nicht wer, hatte sich wohl einmal gedacht, wenn der Rosenmontag und der Veilchendienstag existieren, dann müssen doch auch die anderen beiden Tage, an denen viele Umzüge und Faschingsfeiern stattfinden, nach Blumen benannt werden. Das ist wohl mit ein Grund, warum der Rosenmontag als einziger mit seinem blumigen Namen bekannt ist. Die anderen Tage kennen wir eher unter anderen Bezeichnungen, wie wir oben schon erläutert haben.

Eine andere Erklärung für den Namen Rosenmontag kommt aus der Sprachforschung. Die Forscher nehmen an, dass der Name Rosenmontag eigentlich vom Wort rasen kommt und abgewandelt wurde. Die Narren sind an diesem Tag rasend ausgelassen und feiern, was das Zeug hält.

Veilchendienstag

Der Veilchendienstag ist der letzte Tag des Faschings. Hier wird nochmal ordentlich auf die Pauke gehauen, soweit es die Nachwehen des Rosenmontags zulassen. Viele kleinere Gruppen führen an diesem Tag und nicht am Rosenmontag ihre Umzüge durch. In Mönchengladbach zum Beispiel findet auch der große Umzug am Veilchendienstag statt. Doch was hat dieser Tag denn nun mit Veilchen zu tun? Vollständig aufgeklärt ist der Name nicht, doch die Bezeichnung stammt wohl aus Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinde Alfter unterhielt eine riesige Veilchenzucht und belieferte die großen Karnevalsstädte wie Köln, Düsseldorf, Wuppertal oder Bonn mit frisch gebundenen Veilchensträußen für die Umzüge. Traditionell werden die Sträuße aus zehn Veilchen gebunden und von Efeublättern eingefasst. Sie werden bei den Umzügen in die Menge geworfen.

eingelegter Hering , saurer Hering

Aschermittwoch

Am Aschermittwoch dann ist bekanntlich alles vorbei. Die 40-tägige Fastenzeit beginnt. Es sind eigentlich mehr als 40 Tage, aber die Sonntage zählen nicht dazu, da wir an diesem Tag immer Jesus Christus huldigen. Die einen mehr, die anderen weniger. Der Name rührt von der Tradition der Priester, den Gläubigen die Asche der Palmen vom Palmsonntag des Vorjahres auf die Stirn zu streuen und dem Menschen bewusst zu machen, das er Staub ist und zum Staube zurückkehren wird. Am Aschermittwoch essen die Gläubigen oft eingelegten Hering, um zu symbolisieren, dass man ab nun auf Fleisch verzichten wird.

Hat der Karneval nun wirklich etwas mit Blumen zu tun?

Auch wenn also die blumigen Tage nicht ganz genau etwas mit Blumen zu tun haben, so finden wir doch noch eine tiefere Bedeutung aus der Natur. Die Ursprünge der traditionellen Faschingstage liegen nämlich noch viel weiter zurück als das Kirchenjahr. Heidnische Frühlingsfeste und Fruchtbarkeitstraditionen uralter Völker aus Nordeuropa feierten den herannahenden Frühling. Und wofür steht der Frühling? Für das Erwachen der Natur, das Hervorsprießen erster Frühblüher und Knospen, für Blumen! Und auch der Lärm und die Masken und Kostüme wurden nicht erst mit dem jetzt bekannten Karneval erfunden. Schon die heidnische Bevölkerung vertreib mit viel Lärm und bunten Masken die Geister und Dämonen des Winters

Karneval – Faschingszeit ist Blumenzeit
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