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Sobald die Schneedecke in unseren Gärten und auch auf dem Rasen verschwunden ist und die ersten Frühblüher keck aus der Erde ragen, geht es wieder richtig los mit einer der liebsten Beschäftigungen der Deutschen – die Gartenarbeit. Da wird umgegraben, Beete angelegt, das Gewächshaus auf Vordermann gebracht und recht bald steht man vor seinem Rasen und betrachtet das ganze Moos, welches sich über den Winter wieder gebildet hat. Damit man eine schöne Grasfläche hat, sollte man den Rasen vertikutieren. Wann man Rasen vertikutieren sollte, wie man das macht und was der Unterschied zum Rasen entlüften ist, wollen wir heute einmal gesammelt aufschreiben. In einem unserer nächsten Blogartikel werden wir uns dann noch den unterschiedlichen Geräten widmen, um euch beim Rasenvertikutierer -Kauf ein bisschen zu unterstützen.

Rasen vertikutieren – was ist das eigentlich?

Rasen werden vertikutiert, um alten Schnitt und vor allem Moos aus dem Rasen entfernen zu können. Beim Vertikutieren ritzt ihr die Grasnarbe einer Rasenfläche an. In den Rasen und Boden kommen mehr Luft, Nährstoffe und Wasser, sodass er wieder dichter und gleichmäßiger wachsen kann. Gerade im Frühling vor dem ersten Düngen sieht man in den Gärten die fleißigen Gärtner auf ihrem Rasen stehen und mit verschiedenen Vertikutierern per Hand oder sogar benzingetrieben, ihren Rasen bearbeiten.

Der Unterschied zwischen Rasen lüften und Rasen vertikutieren

Vertikutieren kommt aus dem Englischen und ist aus den Wörtern vertical und cut zusammengesetzt. Es bedeutet also senkrecht schneiden. Das Verfahren wurde vom selben Mann entwickelt, der auch schon das Prinzip des Aerifizierens (Lüften) des Rasens erfunden hat – Thomas Mascaro. Oft werden beide Begriffe synonym gebraucht oder ganz und gar gegenteilig verwendet. Deswegen wollen wir in Kürze erklären, was der Unterschied zwischen Rasen lüften und Rasen vertikutieren ist.

Lüften

Beim Lüften des Rasens werden kleine Löcher in die Rasenfläche gestochen, die meist noch mit Sand aufgefüllt werden. So schafft man vorübergehend vor allem bei sehr lehmhaltigen Böden eine bessere Belüftung und bessere Bedingungen für die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Vor allem Rasen in sehr schattigen Lagen und Böden, die anfällig für Staunässe sind, sind dankbar für das Aerifizieren, da die Nässe so gut abtrocknen kann und der Rasen besser gedeiht. Das Lüften des Rasens ist recht aufwendig, weswegen die meisten Hobbygärtner eher vertikutieren.

Vertikutieren

Beim Rasen vertikutieren werden regelrecht kleine Furchen in den Rasen geritzt. Dabei werden Pflanzenteile, Moos und Unkräuter angerissen und dann durch Abharken entfernt. Das Vertikutieren hilft dem Rasen, dicht und gleichmäßig zu wachsen, strapaziert ihn aber auch ganz enorm. Nicht nur die Unkräuter, sondern auch die empfindlichen Blätter und Wurzeln des Rasens werden angeritzt, zerschnitten und somit verletzt. Deshalb solltet ihr wirklich nur bei stark lehmhaltigen Böden und Rasenflächen im starken Schatten, die sehr moosanfällig sind, vertikutieren. Wir empfehlen euch, wenn ihr vertikutiert, dies nur ein bis zweimal im Jahr zu tun, um euren Rasen nicht übermäßig unter Stress zu setzen. Rasen entlüften ist zwar aufwendiger, aber schonender für die Pflanzen.

Nach dem Rasen vertikutieren Pflanzenreste

Wann muss ich meinen Rasen vertikutieren?

Ob ihr euren Rasen vertikutieren müsst, seht ihr am Zustand eurer Grünfläche. Wenn es auf eurem Rasen einen wirklich dicken Rasenfilz gibt, führt wohl am Vertikutieren kein Weg mehr vorbei. Der Rasenfilz bildet sich aus abgestorbenen Pflanzenteilen, Unkraut, Gräsern und Moos. Eine Ursache ist, dass ihr den Rasen nach dem Schnitt nicht sorgfältig genug von diesem Rasenschnitt befreit und die abgeschnittenen Gräser und Pflanzen sich auf dem Rasen ablagern und eine bald undurchdringliche Schicht bilden. Euer Rasen kann nicht mehr atmen. Er wird fleckig, bekommt kahle Stellen und Moos breitet sich immer weiter aus.

Besonders anfällig sind dafür lehmige Böden und Rasenflächen, die sehr oft und lange im Schatten liegen. Wenn ihr einen schönen durchlässigen, sandhaltigen Boden habt, euer Rasen genug Sonne bekommt und so keine Staunässe bildet, dann erledigt meist der natürliche Prozess der Zersetzung der Pflanzenreste das Problem und ihr müsst gar nicht oder höchstens einmal im Frühjahr euren Rasen vertikutieren. Vorausgesetzt natürlich, dass ihr euren Rasenschnitt immer ordentlich abharkt und dem Rasen so bei der natürlichen Zersetzung helft.

Wie vertikutiere ich meinen Rasen richtig?

Genug der Vorrede. Kommen wir nun dazu, wann man seinen Rasen vertikutieren sollte, wie das richtig geht und welche Vor- und Nacharbeiten nötig sind.

Der richtige Zeitpunkt

Wie schon erwähnt, solltet ihr den Rasen nur höchstens zweimal im Jahr vertikutieren. Die geeigneten Zeitpunkte dafür sind das Frühjahr und der Herbst. Zwischen März und April steht der Frühjahrsputz an, auch auf dem Rasen. Achtet bitte im Frühjahr erstens darauf, dass der Rasen durch den Winter noch sehr gestresst ist und nun erst einmal Nährstoffe aufnehmen muss. Auch, wenn der Rasen arg verfilzt ist, versucht zunächst, den ersten Dünger aufzubringen und dann erst zwei Wochen später den Rasen zu vertikutieren. Danach bringt ihr die zweite Düngung des Jahres auf. Zur ersten Düngung könnt ihr euch an der Blüte der Narzissen orientieren, denn dann ist der beste Zeitpunkt, um mit der Pflege des Rasens anzufangen.

Zum Zweiten blühen auf vielen Rasenflächen tolle Frühblüher wie Krokusse, späte Schneeglöckchen, Narzissen und Tulpen. Erst wenn diese nicht nur verblüht sind, sondern sich ihre Blätter wieder richtig in die Zwiebel bzw. Knolle zurückgezogen haben, solltet ihr mit der Rasenpflege beginnen. Seid ihr hier zu ungeduldig, dann müsst ihr auf die Blütenpracht im nächsten Jahr verzichten. Auch, wenn ihr die Zwiebeln im Keller übersommert, müsst ihr darauf achten. Mehr dazu lest ihr in unseren Beiträgen zu den Frühblühern wie dem Krokus oder den Tulpen.

Wenn es wirklich notwendig ist, dann greift im Spätsommer bzw. Herbst noch einmal zum Vertikutierer und entfernt noch besonders flach wachsende Unkräuter. Betrachtet den Rasen genau, um abzuschätzen, ob es wirklich notwendig ist, den Rasen noch einmal zu vertikutieren, denn es strengt den Rasen an. Macht ihr es zu spät, kann es sogar vor der kalten Jahreszeit dazu kommen, dass ihr eurem Rasen mehr schadet, als nützt.

Bevor es losgeht…

Wollt ihr den Rasen vertikutieren, dann achtet auf das Wetter. Der Rasen sollte trocken sein, aber die Sonne sollte nicht unbarmherzig auf die Erde brennen. Ist es zu heiß, trocknet die Sonne die kleinen Narben zu schnell aus und ihr müsst reichlich nachwässern, damit euch der Rasen nicht einfach eingeht und verbrennt. Bevor ihr mit eurem Vertikutierer loslegt (egal, ob handbetrieben oder cooler elektrischer Tausendsassa), muss der Rasen erst einmal gemäht werden. Wir empfehlen euch eine ungefähre Rasenhöhe von zwei Zentimetern.

So vertikutiert ihr den Rasen

Jetzt geht es ans Vertikutieren! Ihr müsst zunächst die Schnitthöhe am Vertikutierer einstellen. Seid dabei sehr sparsam. Eine Höhe von drei Millimetern reicht völlig aus, denn ihr sollt nur leicht anritzen und eurem Rasen nicht tiefe Wunden in Form von ein bis drei Zentimeter tiefen Schnitten beifügen. Ist der Rasenfilz extrem dick, dann könnt ihr es mit einer Schnitthöhe von einem Zentimeter versuchen, doch tastet euch am besten schrittweise heran. Wenn ihr mit dem Gerät über den Rasen fahrt, dann tut das verhältnismäßig zügig. Je langsamer ihr fahrt, desto größer werden die Schnitte und ihr schädigt die Grasnarbe. Bleibt auf keinen Fall stehen! Achtet auch beim Drehen oder Richtungswechsel darauf, dass die Schneidezähne in der Luft rotieren. Hebt den Vertikutierer dafür also unbedingt an.

Es kann durchaus sein, dass es nicht ausreicht, wenn ihr einmal über den Rasen fahrt. Dann hilft ein zweiter Durchgang. Fahrt nun aber nicht wieder denselben Weg, sondern Querbahnen. Es muss ein Schachbrettmuster entstehen, sonst schädigt ihr wiederum den Rasen zu sehr.

Nacharbeiten

Seid ihr nun fertig, dann schaut euch den Rasen gleich einmal an. Die kahlen Stellen solltet ihr sogleich nachsäen, vorausgesetzt, es ist nicht mehr zu kalt. Wenn ihr schon im März vertikutiert habt, dann kann es noch zu Nachtfrösten kommen und die Saat geht nicht auf. Was ihr in jedem Fall machen müsst, egal, wie das Wetter ist, ist, den gelockerten Rasenfilz und die ganzen Reste gründlich abharken. Wenn ihr einen feuchten Lehmboden habt, dann streut am besten jetzt eine dünne Schicht Sand auf den Rasen. Dieser sickert etwas ein und lockert etwas auf. Es ersetzt aber nicht wirklich das Rasen lüften. Achtet nach dem Vertikutieren darauf, dass der Rasen gut bewässert wird.

Die Reste des Vertikutierens entsorgt ihr am besten auf dem Kompost. Wer keinen hat, darf sie auch in die Biotonne geben. Passt aber auf! Nur dünne Schichten der Reste sollten auf den Kompost gepackt werden, sonst verstopft die dichte Masse das natürliche Klima im Komposthaufen. Habt ihr sehr große Mengen an Vertikutierresten, dann bestellt Laubsäcke bei der Gemeinde oder Stadt und entsorgt sie so. Oder ihr trocknet sie zu Mulch. Hier müsst ihr aber darauf achten, dass ihr die Unkräuter möglichst entfernt, da ihr sie sonst gleich an die nächste Stelle verschleppt.

Vorteile und Nachteile beim Rasen vertikutieren

So richtig kann man die exakten Vorteile und Nachteile des Rasen Vertikutierens gar nicht herausarbeiten, da die Anwendung der Methode und vor allem deren Wirksamkeit ganz besonders von der Bodenbeschaffenheit abhängen. Was des einen Leid, ist des anderen Freud. Ein Rasen mit trockenem, sandhaltigen Boden, der gut durchlüftet ist und viel Sonne bekommt, braucht oft gar keine Vertikutierung oder Lüftung. Dem schadet es nur, wenn man unsinngerweise mit scharfen Messern auf ihn losgeht. Demgegenüber braucht ein sehr fester lehmiger Boden oftmals genau diese Messermethode, um genug Luft zu bekommen und gut gedeihen zu können.

Ein Nachteil ist, dass die aufgerissenen Stellen, aus denen wir Unkraut und Moos gezogen haben, nicht unbedingt nur mit Rasengras wieder zuwachsen müssen. Sie bieten auch hervorragende Bedingungen für die nächsten Unkräuter, die durch das Vertikutieren natürlich genauso gut wieder mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden können. Außerdem braucht der Rasen nach dem Vertikutieren einige Zeit, um sich zu erholen. Wer also gern darauf herumtollt, Fußball spielt und ähnliches, muss sich dafür dann meist für einige Wochen ein anderes Plätzchen suchen.

Wir haben euch noch ein Video herausgesucht, in dem ihr euch noch einmal die wichtigsten Punkte in Wort und Bild anschauen könnt. Wie ihr den richtigen Vertikutierer für eure Bedürfnisse findet und was ihr beim kauf beachten solltet, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

 

Rasen vertikutieren – Wann und wie macht man das?
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