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Wenn es draußen langsam wärmer wird, stecken die ersten Frühblüher ihre Köpfe aus der Erde und erfreuen uns mit ihrer Pracht. Neben Schneeglöckchen, Narzissen und Krokussen, blühen auch die Tulpen in einer großen Vielfalt. Beliebt sind sie auch als Schnittblumen in der Vase oder im Topf, um den nahenden Frühling ins Haus zu lassen. Die Anzahl der Sorten ist mittlerweile fast nicht mehr zu überschauen, so viele sind durch Kreuzungen und Züchtungen mittlerweile entstanden. Wir wollen den schönen Frühblüher heute einmal genauer betrachten und euch auf eine Reise in die Geschichte der Tulpe und ihre Pflege mitnehmen. Kommt mit und erfahrt alles über die Lieblingsblume der Holländer!

Geschichte der Tulpe

Die Tulpe ist wohl diejenige unter den Zwiebelblumen mit den meisten Sorten und der unglaublichsten Vielfalt in Form und Farbe. Im Frühling zieren  die tollen Frühblüher Gärten, Terrassen, Balkone, Wiesen und Parkanlagen und natürlich auch unsere Wohnungen. Das Liliengewächs ist ursprünglich in Persien bzw. dem vorderasiatischen Raum beheimatet und fand im Mittelalter seinen Weg in die Türkei. Die Sultane steckten sich die Blumen an ihren Turban. So kam die Tulpe auch zu ihrem Namen, denn er geht auf das türkische Wort tülbend zurück, was nichts anderes bedeutet als Turban.

In der Türkei wurden schon ehe die Blume nach Europa und Holland kam, sehr viele Tulpen gezüchtet. In den Palastgärten der reichen Sultans gediehen die unterschiedlichsten Formen und Farben. Eine Tulpe war zu dieser Zeit mehr wert als ein Menschenleben. Sultan Suleiman war es, der Tulpen immer wieder an seine Gäste verschenkte. Eines Tages bekam ein Edelmann aus Flandern eine solche. Er gab die wunderschöne Blume, die in unseren Breiten noch gänzlich unbekannt war, an einen Freund weiter, der sie in den Kräutergärten des österreichischen Kaisers auspflanzte. Als er in die Niederlande umzog, nahm er die tollen Pflanzen natürlich mit und fanden ihr neues Zuhause in den Gärten der Universität in Leiden. So kam die Tulpe nach Holland und dort verursachte sie eine wahre Manie.

buntes Tulpenfeld in HollandTulpenfieber in Holland

Eines Tages waren die Tulpen, die der Professor so innigst hegte und pflegte, aus dem Universitätsgarten gestohlen. Wurden vorher die Tulpenzwiebeln unter den Tulpenfreunden getauscht, begann nun in einen regelrecht wahnsinnigen Handel auszuarten. In nur wenigen Jahren wurde die Tulpe zu einem hoch gepriesenen und teurem Handelsgut. Immer mehr Züchtungen und Kreuzungen entstanden. In die exotische Blume wurde regelrecht investiert, sie war eine lukrative Kapitalanlage. Nicht wenige gaben ihr letztes Hemd für eine Zwiebel, denn die Preise erreichten astronomische Höhen.  Die berühmteste und teuerste Tulpe unter ihnen war wohl die Rembrandt-Tulpe, die heute leider ausgestorben ist.

Es kam, was wir heute alle aus vielen Beispielen kennen: die Spekulationsblase platzte irgendwann und im Februar 1637 brach der Tulpenhandel in Holland komplett zusammen. Das Ende vom Lied war, dass einige sich eine goldene Nase verdient hatten, andere, und wohl die meisten, mit nichts als einem wertlosen Stück Papier in den Händen dastanden. Die Tulpe aber hatte sich in Europa etabliert und zählt noch heute zu den liebsten Blumen der Holländer.

Tulpe Steckbrief

Name: Tulpe
Lateinischer Name: Tulipa
weitere Namen: Wilde Tulpe, Gartentulpe
Familie: Liliengewächse
Arten: ca. 150 Arten  und über 5000 Sorten
Verbreitungsgebiet: Nordafrika, Europa bis Zentralasien
Ursprung: vermutlich Türkei, Persien
Blätter: meistens 4-6 Blätter hellgrüne Blätter
Früchte: kleine Kapselfrüchte
Blütenfarbe: gelb, orange,blau, violett, rot, grün, schwarz und weiß
Blütezeit: März – Mai/Juni
Wuchshöhe: 15 – 60 cm
Alter: mehrjährige Pflanze

Tulpen pflegen

Tulpen sind mit ungefähr 150 Arten und unüberschaubaren geschätzten 5000 Sorten und Hybriden eine der beliebtesten Zwiebelblumen der Welt. Sie werden in verschiedene Sortengruppen wie Viridiflora-Tulpen, Darwin-Tulpen, Lilienblütige Tulpen oder Papageien-Tulpen eingeteilt. Die einzige Art, die bei uns heimisch ist, ist die Weinberg-Tulpe, die vor mehr als 500 Jahren aus Südeuropa zu uns kam und eingebürgert wurde. Heute ist sie leider auf der Liste der gefährdeten Arten als stark gefährdet eingestuft. Der wunderschöne Blütenkelch, der auch gefüllt sein kann oder gefranste Blütenblätter hat, öffnet sich immer weiter bis die Blütenblätter dann abfallen. Damit man lange etwas von den tollen Frühblühern hat, geben wir euch nun hilfreiche Tipps für die Pflege der Tulpe sowohl draußen als auch drinnen.

 

gelb-rote Tulpen mit Fransigem Randd

Tulpen Standort

Tulpen sind ursprünglich eher die Steppen- und Gebirgspflanzen und fühlen sich besonders an sonnigen Plätzen sehr wohl, vertragen aber auch Halbschatten. Der Boden sollte schön locker und durchlässig sein. Sandige Böden sind kein Problem für die Zwiebelpflanze. Im Sommer, wenn die Tulpen abgeblüht sind und nur die Blumenzwiebeln auf den nächsten Frühling warten, sollte der Boden nicht allzu feucht werden.

Tulpen richtig pflanzen

Am besten setzt ihr eure Tulpenzwiebeln etwa zwei-bis dreifach so tief wie die Zwiebel hoch ist in die Erde. Haltet einen Abstand von ungefähr 10 bis 15 Zentimetern ein, damit die Pflanzen genug Platz haben. Die beste Zeit für das Tulpen pflanzen ist vom September bis Mitte Oktober. Ist euer Boden sehr schwer, dann mischt Sand darunter.

Tipp: Am schönsten sehen Tulpen im Verband mit anderen Frühblühern wie Schneeglöckchen, Narzissen, Hyazinthen und Krokussen aus. Mischt dafür einfach die Blumenzwiebeln in einem Eimer oder ähnlichem und streut sie mit der Hand aus. Pflanzt sie da, wo sie liegenbleiben und erfreut euch im nächsten Jahr an einem wundervollen Blumenteppich.

Tulpen gießen

Normalerweise müsst ihr Tulpen wie die meisten Zwiebelpflanzen nicht gießen. Ist der Boden sehr trocken, dann können sie sich eventuell nicht ganz so kräftig entwickeln. Hängt das Blattwerk schlapp herunter, dann feuchtet den Boden etwas an, aber durchnässt ihn nicht. Wie fast alle Pflanzen und besonders Zwiebelpflanzen vertragen die Tulpen keine Staunässe.

Tulpen düngen

Auch hier gilt: normalerweise braucht ihr nicht düngen. Wollt ihr den Zwiebeln leicht Nahrung geben, dann düngt am besten nach der Blüte oder gleich zu Beginn des Blattaustriebs mit Kompost. Vermeidet unbedingt die Düngung mit Blaukorn und Dünger mit hohem Stickstoffanteil, denn der schwächt die Pflanze, Ihr könnt auch zu speziellen Blumenzwiebeldünger greifen. Der ist optimal auf die Bedürfnisse der Zwiebelpflanzen abgestimmt und schützt zudem vor Grauschimmel.

Tulpen schneiden

Fangen die Blüten an zu verblühen, dann schneidet sie ab. So vermeidet ihr die Samenbildung. Die Tulpen verwenden dann all ihre Reservestoffe für das Einlagern in der Zwiebel statt in die Samen. Schneidet auf keinen Fall das noch grüne Laub ab, wenn eure Tulpen verblüht sind. Auch so schwächt ihr die Pflanze, denn sie zieht aus den Blättern wichtige Nährstoffe und Wasser für die Zwiebel und kann so Tochterzwiebeln ausbilden. Lasst sie sich einfach ganz von selbst wieder einziehen und habt im nächsten Jahr wieder die volle Freude an eurer mehrjährigen Pflanze,

Vermehrung von Tulpen

Ihr könnt eure Tulpen durch Aussaat oder durch Tochterzwiebeln vermehren. Bei der Aussaat-Variante müsst ihr allerdings jede Menge Geduld haben. Frühestens im dritten Jahr werden die Tulpen das erste Mal blühen, meist aber nicht sortenecht. Viele Wildtulpenarten vermehren sich durch Aussaat ganz alleine und bilden durch Verwildern wunderschöne natürliche Arrangements in eurem Garten. Besonders gut geeignet dafür ist zum Beispiel die Tarda-Tulpe oder Stern-Tulpe, die wunderschön gelb-weiß blüht. Die Ausbildung von Tochterzwiebeln  ist die zweite Art der Vermehrung. Das geschieht ganz automatisch im Boden, wenn ihr Glück habt. Ihr werdet es merken, wenn im nächsten Jahr mehr Tulpen als zuvor auf eurer Wiese oder im Beet stehen. Wollt ihr die neuen Tulpen gezielt woanders setzen, dann grabt die Tulpenzwiebeln nach der Blüte und  dem vollständigen Abtrocknen der Laubblätter aus und schaut nach kleinen Zwiebelchen. Das sind die Tochterzwiebeln, die ihr ganz normal auch auspflanzen könnt.

Tulpen überwintern

Im Garten überwintern eure Tulpenzwiebeln ganz von allein, denn sie stecken tief in der Erde und sind vor Frost geschützt. Wer jedes Risiko vermeiden will, deckt die Bereiche der Tulpenzwiebeln mit Tannenzweigen ab. Richtige Angsthasen können die Tulpenzwiebeln auch ausgraben und dann an einem kühlen und trockenen Ort lagern. Grabt die Blumenzwiebeln erst aus, wenn die Blätter komplett vertrocknet bzw. eingezogen sind.  Im nächsten Frühjahr pflanzt ihr die Tulpenzwiebeln dann wieder aus.

Krankheiten und Schädlinge der Tulpen

Der größte Feind der Tulpen ist die Wühlmaus. Wühlmäuse lieben Blumenzwiebeln, sodass ihr die kleinen Nager fernhalten müsst, um im Frühjahr auch alle gepflanzten Tulpenzwiebeln in voller Pracht genießen zu können. Wie ihr die kleinen Zwiebelvertilger am besten vertreibt oder fernhaltet, lest ihr am besten in unserem Beitrag Wühlmäuse bekämpfen – Vorbeugung und Tipps nach. Außerdem drohen bei zu viel Feuchtigkeit Fäulniserreger, die die Zwiebel und die Stängel befallen und zerstören. Deswegen: Pflanzt am richtigen Standort und gießt nicht übermäßig!

Weinberg-Tulpen

Weinbergtulpen in den Weinbergen bei Freyburg, Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Auswahl besonders langlebiger Tulpen

Oft wundert man sich, warum so wenige Tulpen an den Stellen wachsen, an denen man im Herbst so unendlich viele Tulpenzwiebeln gepflanzt hat. Manche sind erfroren, manche der Wühlmaus zum Opfer gefallen, aber so viele können das nun doch nicht sein?! Achtet bei einem hohen Verlust von Jahr zu Jahr einmal auf die Sorten, die ihr ausbringt. Die meisten Züchtungen sind zwar wie alle Tulpen mehrjährig deklariert, aber sehr sehr kurzlebig. Sie blühen dann nur ein Frühjahr lang und  bilden auch kaum Tochterzwiebeln aus, sodass ihr im Jahr darauf vergeblich nach ihnen Ausschau halten werdet. Deswegen empfehlen wir euch, auf langlebige Tulpensorten zu setzen. Hier eine kleine Auswahl:

  • Couleur Cardinal (Rot)
  • Oxford (Rot mit gelbem Boden)
  • Queen of the Night (Dunkelrot)
  • Ballerina (Orange-Rot)
  • Orange Emperor (Orange)
  • Hamilton (Gelb, gefranst)
  • Golden Apeldoorn (Gelb)
  • Orange Emperor (Orange)
  • China Pink (Pink)
  • Peach Blossom (Rosa gefüllt)
  • Peach Impression (Rosa)
  • Pink Impression (Rosa)
  • Formosa (Gelb-Grün)
  • Spring Green (Weiß-Grün)
  • White Triumphator (Weiß)

Tulpen als Zimmerpflanzen – Pflegetipps für Tulpen in der Wohnung

Gern stellen wir uns Tulpen als Frühlingsboten auch in der Wohnung hin oder verschönern Terrasse und Balkon mit ihnen.  Gerade im Topf dürft ihr dann gern auch ein bisschen übertreiben und sehr viele Zwiebeln auf einmal hineinsetzen. Am besten für Töpfe und Balkonkästen ist das Lasagne-Prinzip. Ihr bringt einfach mehrere Schichten verschiedener Blumenzwiebeln in die Erde ein. Ganz unten kommen die Tulpenzwiebeln hinein, dann ein wenig Erde, dann Narzissen obendrauf, wieder Erde und zum Schluss zum Beispiel Krokusse. Sie blühen dann als erstes, danach recken die Narzissen und dann die Tulpen ihre Köpfe aus der Erde. Teilweise blühen die Pflanzen dann auch gleichzeitig. Das sieht sehr hübsch aus und außerdem habt ihr so mit einem Topf Frühblühern gleich mehrere Wochen ein schmückendes Blumenarrangement in der Wohnung oder auf dem Balkon.

Tulpen im Topf und im Balkonkasten

Im Topf oder Balkonkasten ist vor allem eine gute Drainage wichtig, damit die Blumenzwiebeln nicht durch zu viele Nässe verfaulen. Die Blumenerde lockert ihr mit Sand auf, damit der Boden gut durchlässig und locker wird. Ansonsten ist die Tulpe sehr pflegeleicht und braucht nur selten Dünger und etwas Wasser, wie wir oben schon erklärt haben. Auch die Tulpen im Balkonkasten setzt ihr im Herbst, noch ehe der erste Frost kommt. Im Topf könnt ihr sie ebenfalls im Herbst schon setzen, die Blütezeit wird dann im Dezember herum anfangen und sich nicht so weit ins Frühjahr ziehen. Eine schöne Abwechslung für diejenigen, die an Weihnachten nicht die typischen Pflanzen wie Christrose, Weihnachtsstern oder Amaryllis im Wohnzimmer stehen haben wollen.

gefüllte rosa Tulpen in der Vase

Tulpen in der Vase

Ihr könnt wahrscheinlich genauso wenig wie wir an den Blumenläden und -ständen vorbeigehen, die ab Februar mit den wunderschönsten Tulpen locken. Dabei sind die tollen Blumen immer so schnell wieder verblüht. Eigentlich können die Tulpen aber zwischen sieben und zehn Tagen in der Vase „überleben“. Wir haben ein paar Tipps für euch, wie ihr die Pracht in der Vase so lange wie möglich erhalten könnt:

  • Schneidet die Tulpen vor dem Einsetzen in die Vase mit einem scharfen Messer etwa zwei Zentimeter  ab. Setzt keinen schrägen Schnitt! Ihr könnt die Tulpen auch zwischendrin immer wieder einmal abschneiden. Sie wachsen ja sowieso in der Vase noch ein großes Stück.
  • Entfernt unnötige Blätter, so dass die Energie möglichst nur in die Blüte gesteckt werden kann. Einzelne Blätter könnt ihr als dekorative Elemente natürlich dranlassen.
  • Die Tulpen benötigen sehr viel und vor allem immer wieder frisches Wasser, um lange gut auszusehen.
  • Stellt die Tulpen nicht in die pralle Sonne und vermeidet Zugluft. Auch Heizkörper verkürzen die Lebenszeit in der Vase.
  • Auch wenn ihr beides kauft und gern miteinander kombiniert: Stellt Tulpen nicht zusammen mit Narzissen in die Vase. Der klebrige Schleim der Narzissenstängel verstopft den Stängel der Tulpe und dieser kann kein Wasser und keine Nährstoffe mehr aufnehmen.

Jetzt ist unsere Reise auch schon beendet. Wir hoffen, wir haben euch die Tulpe noch etwas näher bringen können und ihr habt euch ein wenig Inspiration für die Gestaltung zum Beispiel im Topf oder dem Balkonkasten geholt. Es gibt sicher noch viel mehr über die Tulpe zu erzählen. Vielleicht habt ihr noch eine schöne Geschichte oder wollt von euren Erfahrungen mit Tulpen berichten oder bestimmte Sorten empfehlen, die ganz besonders schön aussehen. Dann hinterlasst uns doch einfach einen Kommentar, wir freuen uns darüber!

 

Tulpen – Herkunft, Arten und Pflege der Zwiebelpflanze
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